Aktuelles
Im Internet seit dem 12. April 2011!

Aktuelles Zweck der Nachbarschaften Infos zur Gründung Der Schöffenrat Unsere Fahne Amtmänner Historie Bilder-GalerieSponsoren Kontakt Datenschutz lt. DSGVO Links Impressum




Die Nachbarschaft war für die Bürger keine nachbarliche Beziehung beliebiger Art, sondern Teil ihrer sozialen Lebensform, auf die auch die Kirche bewußt Einfluß nahm. Die Nachbarschaften waren selbstständige Vereine, die auch bestimmte Aufgaben der städtischen Verwaltung übernahmen.
Das Heiligtum, der gemeinsame Brunnen wurde bewacht, sie hielten Bäche und Rinnsale sauber, achteten auf die Reinlichkeit der Straßen, sie achteten auf Brandschutz und die innere Sicherheit.
Obligatorisch ergab sich die Funktion als Sittenpolizei, ihnen oblag die soziale Kontrolle der Nachbarn, sie achteten auf Wohlverhalten, schlichteten Streit, und in Seuchenzeiten überwachten sie die gesundheitspolizeilichen Vorschriften und regelten den Zuzug. Neben diesen Arbeiten im Interesse der Allgemeinheit übernahmen die Nachbarschaften aber auch Hilfeleistungen für ihre Mitglieder.
Jeder Nachbar hatte Anrecht auf Leistung und Gegen-
leistung und im Unglücksfall kam von der Nachbarschaft die erste schnelle Hilfe.
Bei den zeremoniellen Familienereignissen schuf sie die Voraussetzungen für eine standesgemäße Repräsentation. Sie half Hochzeiten ausrichten, sorgte für die Bestattung ihrer Mitglieder und geleitete sie zum Grab. Auch das gesellige Leben entfaltete sich im Rahmen dieser Gemeinschaft. Die Frauen waren durch ihre Männer vertreten. Der Amtmann trug Sorge, daß die Nachbarschaft allen Aufgaben nachkam.


Einmal im Jahr, meist zu Fastnacht, war "Richttag", auf dem man alle Versäumnisse und Verstöße gegen die Norm zur Sprache brachte und ahndete sie. Ein fröhliches Fest, das Gelog (Gelage) schloß sich an. Es stellte den Höhe-
punkt im geselligen Leben der Nachbarschaft dar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten die Nachbarschaften im politischen und wirtschaftlichen Leben der Gemeinde fast keine Rolle mehr. Dennoch blieben sie als bindende Institution in Zeiten schwerer Bedrängnis von hoher Bedeutung.
Nachbarschaften entstanden also damals aus der Not-
wendigkeit heraus, sich gegenseitig in Notsituationen zu helfen, aber auch um die schönen Dinge des Lebens gemeinsam erleben zu können.

Echte Notsituationen sind gottseidank in unserer Zeit sehr selten geworden; man könnte also sagen, es geht uns gut und wir brauchen unseren Nachbarn nicht mehr. Langfristig auf Arbeitslosigkeit, schmälere Gehälter bzw. Renten und höhere Abgaben vorausschauend, wird ein Zusammenrücken sicher wieder notwendiger und gewünschter sein und damit werden Nachbarschaften wieder eine andere Qualität bekommen, denn; wir werden einander brauchen, auf die eine oder andere Weise.
Nachbarschaftliche Bereitschaft, das soll unser Ziel sein. Nur das unterscheidet uns vom einem Verein, in den nur Beitrag der Sterbekasse willen gezahlt wird.


© Friedhelm Schütte, Landsegnung-Nachbarschaft ------- 15.05.2012