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Allgemeine Verfassung und Grundlage der Andernacher Nachbarschaften
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Treu halten am guten Alten! In necessariis unitas,
in dubiis libertas,
in omnibus caritas.
Übersetzung:
Im Notwendigen herrsche Einmütigkeit,
im Zweifelhaften Freiheit,
in allem aber Nächstenliebe


I. Bedeutung und Zweck der Nachbarschaften und ihre gemeinsame Arbeit.

Die Andernacher Nachbarschaften, seit uralten Zeiten bestehend, waren eine sozial-caritative Einrichtung mit stark religiösem Einschlag. Ihr Hauptzweck bestand ehedem neben gemeinsamem Gottesdienst in gegenseitiger Hilfeleistung der einzelnen Nachbarn bei Krankheit, Unglück und Sterbefällen und in besonderen Notlagen, sowie in gemeinsamen Dienstleistungen zum Nutzen und Wohle der einzelnen Nachbarschaft und der ganzen Stadt, ferner in der Erhaltung von Frieden und Eintracht unter der Bürgerschaft.

In der heutigen Zeit sind einige der alten Zweckbestimmungen und Ziele entsprechend der Umgestaltung aller Lebensverhältnisse in den Hintergrund gerückt oder ganz weggefallen. Dafür aber sind mehr hervorgetreten oder als neue wichtige Aufgaben hinzugekommen: Die gemeinsame Pflege der christlichen Caritas, die Milderung der mannigfachen sozialen und religiösen Gegensätze und damit Hebung des Solidaritätsgefühls in der Bürgerschaft, Erhaltung christlicher Sitte und Religiosität, sowie Belebung der guten alten heimatlichen Tradition.
Jegliche politische Tendenz liegt den Nachbarschaften völlig fern.

Die Andernacher Nachbarschaften waren früher eine spezifisch katholische Einrichtung. Beseelt vom Geiste echter Duldsamkeit und in der Überzeugung, dass das Wesen der Nachbarschaften: Erhaltung und Pflege freundschaftlichen, einträchtigen und hilfsbereiten Sinnes in der Bürgerschaft, einen Zusammenschluss möglichst aller Gemeindemitglieder erfordert, haben sie seit dem Anfang des 19.Jahrhunderts, d.h. seitdem sich Nichtkatholiken in grösserer Anzahl in Andernach niederliessen, auch Bürger evangelischen und jüdischen Glaubens bereitwillig in ihren Schoß aufgenommen und sie als gleichberechtigte und ebenbürtige Mitglieder angesehen.

Während früher alle Nachbarschaften ihre Tätigkeit für sich gesondert entfalteten, erfordern die ihnen in der Jetztzeit gestellten Aufgaben einen Zusammenschluss aller Nachbarschaften zu gemeinsamem Handeln, zumal da sie nicht mehr wie bis zum Ende des 18.Jahrhundert unter der Oberaufsicht der Stadtverwaltung stehen, sondern völlig unabhängige Vereinigungen der Bürger innerhalb festbegrenzter Stadtbezirke darstellen.

Deshalb bilden die jetzt bestehenden 15 Nachbarschaften seit dem Jahre 1926 eine Arbeitsgemeinschaft; die überall da in die Erscheinung tritt, wo gemeinsame Ziele zu verfolgen sind und ein gemeinsames Auftreten und Handeln geboten ist.
Die Leitung dieser Arbeitsgemeinschaft liegt in den Händen des von sämtlichen Amtsmännern der einzelnen Nachbarschaften auf Lebenszeit gewählten Oberamtmannes. Der Gewählte braucht nicht notwendigerweise bereits Amtmann zu sein, jedenfalls muss er die Würde eines Schöffen bekleidet haben. Für den Ehrenposten eines Oberamtmannes sollen nur Männer ausersehen werden, die neben Umsicht und Klugheit in hervorragendem Maße soziales Verständnis an den Tag legen und in der Bürgerschaft Ansehen genießen.

Der Oberamtmann vertritt die Nachbarschaften nach aussen, beruft die Amtmänner bezw, deren Stellvertreter oder auch die gesamten Schöffenstühle der Nachbarschaften zu gemeinsamen Beratungen, stellt hierfür die Tagesordnung fest und leitet die Verhandlungen.
Er sorgt auch für die Ausführung der gefassten Beschlüsse.

Anträge, die in diesen Amtmännerversammlungen durchberaten werden sollen, und zu denen auch Streitfragen zwischen den einzelnen Nachbarschaften gehören können, haben die Amtmänner der Nachbarschaften im Einvernehmen mit ihren Schöffenstühlen vorher dem Oberamtmann schriftlich einzureichen. Ausnahmsweise können auch dringende Anträge noch mündlich in der Versammlung vorgebracht werden.
Entscheidungen und Beschlüsse werden im allgemeinen mit zweidrittel Stimmen-mehrheit gefasst. Bei sehr wichtigen Beschlüssen, besonders solchen, die tief in das Leben und Wirken der Nachbarschaften eingreifen, auch solchen, die eine Abänderung dieser Verfassung bezwecken, ist eine Dreiviertelmehrheit aller abgegebenen Stimmen erforderlich.
Den Amtmännern und Schöffenstühlen der einzelnen Nachbarschaften obliegt die Durchführung der in den Amtmännerversammlung gefassten Beschlüssen für ihre Nachbarschaft. Die Nachbarschaften müssen die vorliegende Verfassung als bindend anerkennen und sich allen in den Amtmännerversammlungen gefassten Beschlüssen und Entscheidungen unterwerfen.
Jeder Amtmann ist gehalten zu den Amtmännerversammlungen persönlich zu erscheinen, oder im Falle der Behinderung einen Vertreter zu schicken, den Vizeamtmann oder einen geeigneten Schöffen.
Die Protokolle der Amtmännerversammlungen führt als Obergerichtsschreiber in der Regel der Gerichtsschreiber derjenigen Nachbarschaft, welcher der Oberamtmann angehört, er fertigt auch alle notwendigen Schriftsätze, wie Einladungen, Bekanntmachungen usw. aus. Auf Antrag von mindestens vier Amtmännern muss der Oberamtmann eine außerordentliche Amtmännsrversammlung berufen., Die ordentliche Amtmännerversammlung muss mindestens einmal im Jahre zusammentreten.


II. Die einzelnen Nachbarschaften ihre Rechte und Pflichten.

Jede Nachbarschaft führt ihr Eigenleben und ist in ihren Entschlüssen und ihrer Tätigkeiten unabhängig, nur müssen diese sich innerhalb des Rahmens dieser Verfassung und der sonstigen Beschlüsse der Amtmännerversammlungen halten.
Jede Nachbarschaft hat ein bestimmt abgegrenztes Gebiet. Bei etwa auftretenden Grenzstreitigkeiten entscheidet die Amtmännerversammlung. An der Spitze einer jeden Nachbarschaft steht ein aus der Zahl der Schöffen auf Lebenszeit gewählter Amtmann.
Die Wahl des Amtmannes findet in der Regel in der Nachbarschaftsversammlung am Fastnachtsonntag statt, Diejenigen Nachbarschaften, welche nach alter Tradition ihren ältesten Schöffen durch Acclamation zum Amtmann bestimmen, können diesen Wahlmodus behalten. Sonst wählt der Schöffenstuhl selbst ein geeignetes Mitglied aus seiner Mitte zum Amtmann.

Es wird den Schöffenstühlen dringend ans Herz gelegt, nur ehrenwerte und erprobte Männer zu Amtmännern zu wählen., die im Stande sind die Nachbarschaft nach aussen hin würdig zu vertreten und in angemessener Weise zu leiten. Die Leitung der Nachbarschaft besorgt der Amtmann in stetem Einvernehmen mit seinem Schöffenstuhle. Beschlüsse werden in den Schöffensitzungen in der Regel mit einfacher Stimmenmehrheit gefasst, wobei die Stimme des Vorsitzenden Amtmannes den Ausschlag gibt.
Dem Amtmann kann auf seinen Wunsch ein Vizeamtmann zu seiner gelegentlichen Vertretung aus der Zahl der Schöffen zugewählt werden. Ein Vizeamtmann muss gewählt werden, wenn der Amtmann durch dauernde Krankheit an der Erfüllung seiner Pflichten gehindert ist.
Auch die Wahl der Schöffen, die Berater und Gehilfen des Amtmannes sind, findet in der Regel in der Nachbarschaftsversammlung am Fastnachtsonntag statt.
Neue Schöffen wählt entweder der Schöffenstuhl selbständig oder er schlägt der Nachbarschaftsversammlung ihm für das Amt geeignet erscheinende Kandi-daten zur Wahl vor. Wo die Sitte der Versteigerung eines Schöffensitzes noch besteht, kann sie weiter geübt werden, zu empfehlen ist sie nicht.
Es soll darauf gesehen werden, dass nur ehrenwerte, umsichtige und für das Wohl der Nachbarschaft und der ganzen Stadt besorgte Männer zu einem Schöffensitze gelangen.
Das Amt des Schöffen ist wie das des Amtmannes lebenslänglich.
Die Zahl der zu wählenden Schöffen steht jeder Nachbarschaft frei. Aus der Zahl der Schöffen wird einer zum Gerichtsschreiber bestimmt. Er hat die Protokolle der Schöffensitzungen, der Nachbarschaftsversammlungen und die Jahresberichte anzufertigen, sowie alle übrigen schriftlichen Arbeiten der Nachbarschaft zu erledigen, und falls kein eigener Kassierer aus der Zahl der Schöffen ernannt ist, auch die Nachbarschaftskasse zu führen, sowie die etwaigen Vermögensstücke der Nachbarschaft zu verwalten. Er be-wahrt auch alle Urkunden und Akten der Nachbarschaft auf.

Jede Nachbarschaft hat auch einen Knecht, der alle sonstigen Dienst und Aufträge verrichtet, die Beiträge einsammelt und die Nachbarschaftsfahne, die in der Regel im Hause des Amtmannes aufbewahrt wird, trägt. In machen Nachbarschaften wurde früher der jüngste Nachbar zum Knecht bestimmt, wo das nicht mehr üblich ist wird er in der Nachbarschaftsversammlung gewählt.
Nur für 1 Jahr gelten die Ämter des Schultheißen und des Prokurators. Die Wahl findet in der Nachbarschaftsversammlung am Fastnachtsonntag statt. Der Wahlmodus wird den einzelnen Nachbarschaften überlassen. Der Schultheiß hat die Streitigkeiten unter den Nachbarn zu schlichten, der Prokurator hat für die äussere Ordnung bei der Nachbarschaftsversammlung zu sorgen.
Jede Nachbarschaft hat eine Fahne mit religiösen Symbolen oder dem Bilde ihres Patrons, die nach uraltem Brauch kirchlich einzusegnen ist. Sie gibt jedem verstorbenen Mitglied der Nachbarschaft beim Begräbnis das Geleit, wird an hohen Festen im Pfarrdome aufgehängt und begleitet die Fronleichnamsprozession.
Für die Begräbnisse der evangelischen Nachbarn aller Nachbarschaften ist eine eigene Fahne angeschafft.
Für die jüdischen Nachbarn, die gestorben sind, stiftet die Nachbarschaft, der sie angehört haben, statt der Fahnenehrung einen Kranz. Bei dem Begräbnis eines Amtmannes sollen die Fahnen aller Nachbarschaften das Ehrengeleit geben.
Der Tod eines Mitgliedes der Nachbarschaft ist dem Amtmanne von den Angehörigen anzuzeigen. Dieser oder der Gerichtsschreiber oder auch ein besonders hierzu vom Amtmann beauftragter Schöffe bestellt für das Begräbnis den Fahnenträger, den Träger der Trauerkerze sowie die üblichen Leichenträger aus der Nachbarschaft des Verstorbenen.
Er trägt auch Sorge dafür, dass soviel es tunlich ist, sich der Leichenzug durch das betreffende Nachbarschaftsgebiet bewegt.

Das Geschäftsjahr der Andernacher Nachbarschaften läuft von Fastnachtssonntag eines Jahres bis zum Fastnachtssonntag des nächsten Jahres. Der Fastnachtssonntag gilt als der offizielle Andernacher Nachbarschaftstag. An ihm hat unbedingt jede Nachbarschaft ihre ordentliche Nachbarschaftsversammlung abzuhalten. Auf dieser wird der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder der Nachbarschaft im Gebet gedacht.
Es werden weiter der Nachbarschaftsbericht verlesen, die notwendigen Wahlen getätigt und die Nachbarschaftsangelegenheiten besprochen. An einem von der Amtmännerversammlung zu bestimmenden Tage findet einem alten Brauche gemäss ein Gedächtnisgottesdienst für alle im abgelaufenen Jahre verstorbenen katholischen Nachbarn in Pfarrdom statt; dessen Besuch den katholischen Nachbarn dringend ans Herz gelegt wird. Die evangelischen und jüdischen Nachbarn halten an einer, ihnen genehmen Tag ebenfalls einen Gedächtnisgottesdienst für die verstorbenen Nachbarn ihres Glaubens ab.

Der Amtmann leitet die Nachbarschaftsversammlung am Fastnachtssonntag und sorgt im Verein mit seinem Schöffenstuhl dafür, dass sie in würdiger Weise und unter Beobachtung der in der Nachbarschaft üblichen Tradition abgehalten wird.
Die Versammlung zerfällt in das eigentliche Gelage und den sich anschliessenden gemütlichen Teil, der durch Vorträge ernster und heiterer Art und durch Absingen gemeinsamer Lieder verschönert werden kann.
Auf Innehaltung der guten Sitten bei dieser Versammlung ist streng zu sehen. Vom Inhalte der Verträge müssen Amtmann und Schöffenstuhl vorher in Kenntnis gesetzt werden zur ausdrücklichen Genehmigung.
Anträge von Seiten der Nachbarn zur Besprechung in der Nachbarschaftsversammlung sind dem Amtmann vorher schriftlich oder mündlich einzureichen. Er entscheidet im Einvernehmen mit dem Schöffenstuhl darüber, ob sie zur Beratung in der Nachbarschaftsversammlung geeignet sind und lässt sie demgemäss zu, oder er lehnt sie ab.
Der Amtmann ist auch, befugt; in wichtigen Fällen eine Nachbarschaftsversammlung ausser Fastnachtssonntag einzuberufen.

Um auch den Nachbarinnen Gelegenheit zu geben; sich näher kennenzulernen und Nachbarschaftssinn zu pflegen dürfen diese unmittelbar vor oder nach Fastnachtssonntag eine gemütliche Versammlung abhalten, die sich in demselben Rahmen zu halten hat wieder gemütliche Teil der Versammlung der Nachbarn.
Zur Vorbereitung und Leitung dieser Nachbarinnenversammlungen wird von den Nachbarinnen ein kleiner Ausschuss gewählt, dem jedoch sonstige Rechte nicht zustehen. Zur Bestreitung der Kosten dieser Nachbarinnenversammlung wird ein Beitrag von den Nachbarinnen erhoben.
Jede Nachbarschaft kann sein eigenes Statut anfertigen, worin in Übereinstimmung mit dieser allgemeinen Nachbarschaftsverfassung des näheren ihre Verfassung und Sonderbestimmungen über ihre Eigentätigkeit festgelegt werden. Es wird vom Amtmann und seinem Schöffenstuhl entworfen und von der Naohbarschaftsversammlung genehmigt.


III. Rechte und Pflichten des einzelnen Nachbars.

Jeder unbescholtene Bürger der Stadt kann Nachbar werden in der Nachbarschaft, in deren Bezirk er wohnt. Er hat sich dieserhalb beim Amtmann oder beim Gerichtsschreiber zu melden. Die Aufnahme vollzieht der Amtmann im Einvernehmen mit dem Schöffenstuhl.
Zugleich mit dem Nachbarn werden auch dessen Ehefrau und die zum Haushalt gehörigen unselbständigen Angehörigen Mitglieder der Nachbarschaft. Sind letztere nach Zurücklegung des 25.Lebensjahres erwerbstätig, so müssen sie sich selbst beim Amtmann oder beim Gerichtsschreiber als Nachbar melden. Dasselbe gilt von Witwen und sonstigen selbständigen erwerbstätigen Frauen.

Jeder Nachbar, der aus dem Bezirk einer Nachbarschaft in den einer anderen vorzieht, muss nach uraltem Brauch Mitglied der letzteren werden. Der Übertritt in die neue Nachbarschaft erfolgt an dem Fastnachtssonntag, der auf den Wegzug aus der alten Nachbarschaft folgt.
Bis dahin genießt der Nachbar noch alle Rechte, die ihm aus der Mitgliedschaft zu der alten Nachbarschaft zustehen. Es obliegen ihm aber auch bis dahin noch alle Pflichten gegenüber der alten Nachbarschaft o Auch nach dem Übertritt in die neue Nachbarschaft ist es ihm nicht verwehrt, freundschaftliche Beziehungen zu seiner ehemaligen Nachbarschaft weiterzupflegen und inaktives Mitglied derselben au bleiben. Er zahlt dann der alten Nachbarschaft die Hälfte des üblichen Beitrages.
Nur in ganz besonderen Fällen, über welche die Schöffenstühle der beiden in Frage kommenden Nachbarschaften gemeinsam sich einigen, kann ein Nachbar beim Wohnungswechsel vom Übertritt in eine neue Nachbarschaft entbunden werden.
Dieser Fall tritt z.B. ein, wenn er in der alten Nachbarschaft das Amt eines Schöffen oder Amtmannes bekleidet hat.
Der Austritt aus der Nachbarschaft ist dem Amtmann oder dem Gerichtsschreiber bekannt zu geben. Hat ein Nachbar die bürgerlichen Ehrenrechte verloren, so gilt er als ausgeschlossen aus der Nachbarschaft.
Zutritt zu den Nachbarschaftsversammlungen am Fastnachtssonntag, dem sogenannten Gelage, haben nur männliche Nachbarn. Jeder Nachbar hat den Nachbarschaftsbeitrag jährlich zu bezahlen, dessen Höhe den einzelnen Nachbarschaften überlassen bleibt und jährlich vom Amtmann und Schöffenstuhl festgesetzt wird. Jeder Teilnehmer am Nachbarschaftsgelage erhält während des selben ein dem Beschluss des Schöffenstuhles entsprechendes Quantum Wein.
Selbständige Frauen bezahlen nur den halben Nachbarschaftsbeitrag.

Alle Mitglieder der Nachbarschaft sind gebeten, sich beim Begräbnis so eines Nachbarn oder einer Nachbarin nach Möglichkeit zu beteiligen, die katholischen Nachbarn auch an den Exequien. Die vom Amtmann und Schöffenstuhl bestimmten Nachbarn des Verstorbenen sind verpflichtet den Ehrendienst als Leichenträger oder Träger der Trauerkerze zu versehen, falls sie durch Altar, Krankheit oder einen anderen triftigen Grund daran verhindert sind, so bestreiten sie in der Regel die Kosten für die Stellung eines Vertreters. Auch werden die Nachbarn ermahnt, möglichst alle der Sterbekasse ihrer Nachbarschaft beizutreten. Den Nachbarschaften ist es überlassen, hinsichtlich der Sterbekasse Sonderbestimmungen zu erlassen, z.B. den Beitritt für die Nachbarn obligatorisch zu machen. Auch können mehrere Nachbarschaften gemeinsam eine Sterbekasse haben.

Wenn eine Nachbarschaft zu umfangreich geworden ist, so kann auf Wunsch der Nachbarn eines leicht abzuzweigenden Teiles derselben, der jedoch mindestens hundert Nachbarn umfassen muss, mit Zustimmung der Amtmännerversammlung eine neue Nachbarschaft gegründet werden.
Diese hat bei ihrer Konstituierung zu versprechen, dass sie sich an das vorliegende allgemeine Nachbarschaftsstatut binden und im übrigen in ihrer Verfassung und Tätigkeit die alte Andernacher Nachbarschaftstradition getreulich pflegen wolle, widrigenfalls ihr die Anerkennung als Andernacher Nachbarschaft und die Zugehörigkeit zu der Arbeitsgemeinschaft der Nachbarschaften nicht erteilt werden kann.



© Friedhelm Schütte, Landsegnung-Nachbarschaft ------- 31.07.2011